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Chinas Klavierriesen werden digital

Viele Jahre lang wurde die chinesische Klavierindustrie vor allem mit der Großserienproduktion akustischer Klaviere in Verbindung gebracht. Unternehmen wie Pearl River bauten ihre internationale Präsenz auf, indem sie Klaviere und Flügel in großen Stückzahlen fertigten — sowohl unter eigenen Marken als auch für andere Märkte.

Dieses Bild ändert sich.

Pearl River, einer der weltweit größten Klavierhersteller, bewirbt inzwischen aktiv sein neues Z9 Hybrid Piano — ein Instrument, das eine traditionelle Klavier-Mechanik mit optischen Sensoren und digitaler Klangerzeugung verbindet.

Entscheidend ist dabei nicht, dass Pearl River einfach ein weiteres Digitalpiano herausgebracht hat. Entscheidend ist, dass ein bedeutendes Unternehmen, das fest in der akustischen Klavierfertigung verwurzelt ist, zunehmend ernsthaft in den Hybrid- und Digitalsektor investiert.

Von der akustischen Fertigung zur Hybridtechnologie

Das Z9 verwendet Holztasten und eine, wie Pearl River es beschreibt, akustische Klaviermechanik. Anstatt Saiten anzuschlagen, wird die Bewegung der Mechanik von optischen Sensoren erfasst und in digitalen Klang umgewandelt.

Der Klavierklang basiert auf Samples eines Kayserburg-Konzertflügels, während Bluetooth, Kopfhörer, App-Anbindung, ein Touchscreen und Lernfunktionen es fest in der modernen digitalen Welt verankern.

In China wird das Instrument als mehr als ein herkömmliches Digitalpiano beworben und als Teil einer breiteren Bewegung hin zu „intelligenten“ und Crossover-Instrumenten präsentiert.

Das ist besonders interessant, denn Pearl River gibt die akustische Klavierproduktion nicht auf. Das Unternehmen fertigt weiterhin traditionelle Pearl River-, Ritmüller- und Kayserburg-Instrumente und entwickelt parallel dazu digitale und hybride Produkte.

Ein weiterreichender Branchenwandel

Japanische Hersteller haben sich bereits stark in diese Richtung bewegt. Yamahas AvantGrand und Kawais Novus-Serie verbinden hochentwickelte digitale Klangsysteme mit Mechaniken, die von akustischen Klavieren abgeleitet sind.

Pearl Rivers Vorstoß zeigt, dass dieser Trend nun auch bei den großen chinesischen Herstellern zunehmend sichtbar wird.

Das könnte für den Markt bedeutsam sein. Chinesische Fabriken verfügen über enorme Fertigungskapazitäten, und wenn Hybrid-Instrumente ein wichtiger Teil ihrer Produktstrategie werden, könnte diese Technologie allmählich in ein deutlich breiteres Preissegment vordringen.

Bis vor Kurzem war eine echte Klaviermechanik in Verbindung mit digitalem Klang vor allem mit vergleichsweise teuren Spezialinstrumenten verbunden. Das wird möglicherweise nicht so bleiben.

Der Klaviermarkt verändert sich

Für traditionelle Klavierhersteller ist die Digitaltechnologie nicht mehr nur ein Konkurrent des akustischen Klaviers. Sie wird zunehmend zu einer weiteren Möglichkeit, das Klaviererlebnis zu verkaufen.

Kunden möchten vielleicht immer noch eine echte Mechanik, aber sie wollen auch Kopfhörer, Aufnahmefunktion, Bluetooth-Konnektivität, Lernwerkzeuge und die Freiheit vom Stimmen.

Das Pearl River Z9 ist daher weniger als einzelnes neues Modell bedeutsam, sondern vielmehr als weiteres Zeichen dafür, wohin sich die Branche bewegt. Wenn einer der größten akustischen Klavierhersteller Chinas ernsthafte Anstrengungen im Hybrid-Segment unternimmt, deutet das darauf hin, dass die Grenze zwischen dem akustischen und dem digitalen Klaviermarkt weiter zunehmend verschwimmen wird.

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